André PASTURE kommt 1947 nach Belgien, wo er an der Akademie in Brüssel Werbekurse belegt, die er 1949 mit einem ersten Preis abschließt. Nach seinem Militärdienst in Frankreich kehrt er erst 1957 nach Belgien zurück, wo er an den Vorbereitungen für die Expo ’58 beteiligt ist.
20 Jahre lang (1960-80) arbeitet er fast ausschließlich für die NMBS/SNCB. Er gewinnt zahlreiche internationale Preise wie den Harlekin von Livorno (1961). 1965 erhält er auf der ersten Warschauer Plakatbiennale einen Preis für sein Plakat „500 km en train de soirée via Paris“ (500 km im Abendzug über Paris) und mit „Grande capacite et puissance de transport chemins de fer européens UIC“ (Große Kapazität und Transportleistung Europäische Eisenbahnen UIC) gewinnt er 1972 den Plakatwettbewerb der Europäischen Eisenbahnen.
Pastures Stil ist für SNCB revolutionär. Er verleiht einem einfachen weißen Hintergrund Gestalt, indem er meisterhaft Flächen mit tiefen Farben darauf platziert. Wenn er Menschen darstellt, fängt er die Psychologie seiner Figur durch die Geometrie treffend ein.
In seinem Streben nach Abstraktion verwendet er raffinierte grafische Symbole und wechselt Mitte der 1960er Jahre von der Gouache zu transparenten Aufklebern. Mit dieser Technik lassen sich noch subtilere Farbnuancen erzeugen, indem mehrere Farben übereinander geklebt werden. Der leichte Glanz der Aufkleber beim Drucken ist ein Pluspunkt. Der weiße Hintergrund hat eine isolierende Funktion, auf der der Text perfekt ausgerichtet ist. In seinen späteren Werken entscheidet sich Pasture für die Reinheit der Abstraktion. L’art pour l’art. Der Text wird vom Bild getrennt.
Der Künstler kann seine große Bewunderung für die Schweizer Typographie und Josef Müller-Brockmann nicht leugnen. Auch der Einfluss von Leo Marfurt ist unverkennbar. Und er selbst hat sicherlich auch andere beeinflusst.
Neben Plakaten entwirft Pasture auch Kaffeetassen und Briefmarken mit Eisenbahnmotiven für die NMBS/SNCB.